Entführt

Kapitel 40 "Entführt"

Walter wartete noch eine halbe Stunde lang auf Sandra, bevor er einschlief,
und so bemerkte bis in die späten Morgenstunden des Sonntages niemand
Sandras Verschwinden. Erst gegen 10 a.m. öffnete Walter die Augen, und
bemerkte, dass Sandra nicht da war. Zuerst war er sich nicht ganz sicher, ob
sie - wie bisher - in dem zweiten Schlafzimmer übernachtet hatte, und so
räkelte er sich noch ein paar Minuten, bevor er aufstand, um nach seiner
Frau zu sehen. Als er das Bett säuberlich gemacht vorfand, wurde er zwar
stutzig, doch beunruhigt war er nicht wirklich. Sollte Danielle sie so sehr
zur Ordnung erzogen haben, dass sie schon in aller Frühe das Bett gemacht
hatte? In Shorts und barfuss durchstreifte er das Haus, ohne auch nur eine
Spur von Sandra zu entdecken. Von der Party waren noch genug Leckerbissen
für ein Frühstück vorhanden, es war also unwahrscheinlich, dass sie
einkaufen gefahren war, außerdem stand der Wagen in der Garage. Am Pool war
sie auch nicht zu finden, und langsam begann Walter, sich sorgen zu machen.
Nachdem er das ganze Haus nochmals durchsucht hatte, und laut nach Sandra
gerufen hatte, begann er doch unruhig zu werden. Gewiss, sie hatten einige
Drinks gehabt, letzte Nacht, doch keiner von ihnen war betrunken gewesen,
und er erinnerte sich noch gut, wie Sandra auf der Liege neben dem Pool den
Mond betrachtet hatte. Und jetzt war sie spurlos verschwunden. Walter machte
sich große Sorgen, wusste aber gleichzeitig, dass es zwecklos war, zur
Polizei zu gehen. 48 Stunden musste jemand vermisst werden, bevor die
Beamten überhaupt den Bleistift zur Hand nehmen würden. Zu viele Ehepartner
liefen einfach davon, als dass die Beamten sich noch groß mit so einem Fall
beschäftigen würden. Zudem konnte er nicht mal mit Sicherheit sagen, ob
Sandra seit zwei Uhr Nachts oder vielleicht erst 9 Uhr vormittags vermisst
wurde. Doch einer konnte ihm vielleicht helfen. Steven, Steven Banks, er war
Special Agent beim FBI, und wenn er den Verdacht äußerte, sie sei entführt
worden, war es genau genommen sogar sein Zuständigkeitsbereich. Als er sein
Telefonbuch suchte, um Steven anzurufen, wusste er noch nicht, wie genau er
den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.

Sandra erwachte mit starken Kopfschmerzen. Sie versuchte den Nebel im
Gehirn, den die Chloroformdämpfe hinterlassen hatten, abzuschütteln und die
Augen zu öffnen. Doch weder schütteln noch öffnen der Lieder funktionierten.
Nach und nach kehrte ihr Erinnerungsvermögen zurück, und sie spürte, dass
sie buchstäblich keinen Finger rühren konnte. Ihr Mund fühlte sich total
trocken an, sie konnte bei Ausatmen spüren, wie ihr warmer Atem auf ihr
Gesicht zurück kam, und bald war ihr klar, dass sie gefesselt, geknebelt,
mit verbundenen Augen und einem Sack über dem Kopf auf einer harten
Unterlagen festgeschnallt war. Das einzige was ihr fehlte, war die
Begründung. Sie erinnerte sich an die Party, daran wie glücklich sie gewesen
war, und wie stolz Walter wirkte, wenn er sie ansah, und daher konnte sie
sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies mit ihrer Wollerziehung
in Zusammenhang stand. Sie begann, sich mit unartikulierten Gegrunze
bemerkbar zu machen, und hoffte, so wenigsten zu erfahren, was das ganze
bedeuten sollte.

Es schien ihr eine Ewigkeit zu dauern, bis sie eine Reaktion bemerkte.
Jemand war in den Raum gekommen, und begann, die Fesseln zu öffnen. "So, ist
unsere Prinzessin endlich aufgewacht?" hörte sie eine ihr vertraut
spöttische Stimme sagen. "Danielle!" schoss es ihr durch den Kopf, " sie
steckt dahinter. Ob das mit Walter abgesprochen ist? Ob es ein Trick war, so
zu tun, als ob sie gegangen war?" Sandra war verwirrt. Schließlich waren die
letzten Gurte gelöst, der Sack vom Kopf gezogen, und die Augenbinde samt
Knebel entfernt worden. Noch im Blinzeln erkannte Sandra, dass sie in einem
ihr unbekannten fensterlosen Raum war, der voller bizarrer Geräte war, und
sah Danielle mit einem ärmellosen Leder-Catsuite und einer Reitgerte lässig
an einem Strafbock lehnen.
"Du wunderst dich sicher, was das hier soll, Prinzessin, nicht war?" "Ich
will sofort ..." "Schnauze, du kleines Luder! Wenn du noch einmal ungefragt
das Maul aufreißt, frisst du ein Stück Seife als Frühstück, hast du mich
verstanden?" Sandra war sprachlos und eingeschüchtert. Danielle hatte auch
in Walters Haus eine harte Sprache benutzt, doch dieser Ton war noch um
einiges brutaler, als alles was sie jemals gehört hatte. "Damit du dir keine
falschen Hoffnungen machst, mein Täubchen, Walter weiß nicht, dass du bei
mir bist, oder wo du bist. Die nächsten Tage werden mein Abschiedsgeschenk
für ihn. Er wird dich so handzahm zurück bekommen, dass er mir noch einen
Bonus bezahlen wird. Es sein denn, du parierst nicht, dann bekommt er dich
in Streifen zerteilt zurück. Los zieh dich aus, dein Training beginnt.
Dalli. Mit diesen Worten warf Danielle Sandra einige Kleidungsstücke zu, die
sie nur zu gut kannte. Obwohl sie gerne auf die Toilette gegangen wäre,
wagte sie nicht, zu wiedersprechen, sonder bekann sich umzuziehen. Als sie
sich ausgezogen hatte, und als erste Schicht in einen dicken, aber engen
schwarzen Rollkragenpullover geschlüpft war, und gerade die Wollstrumpfhose
in gleicher Farbe und Qualität überziehen wollte, merkte sie dieses
furchtbare Jucken, dass sie bei der "Glaswoll-Tortur" kennen gelernt hatte.
Kaum hatte sie die Strumpfhose hochgezogen, fasste sie, ohne lange
nachzudenken , den Entschuss, fliehen zu müssen, und zwar auf der Stelle.
Sie rannte blitzschnell auf Danielle zu, stieß sie zur Seite, öffnete die
einzige Türe, und hastete den Gang entlang. Sie hatte keine Ahnung, wo sie
war, aber alles schien ihr besser, als dieser Raum. Blindlings rannte sie zu
einer Türe, die sich öffnen ließ, und stieß dahinter mit zwei Bodybuildern
zusammen, die offensichtlich auf sie gewartet hatten. Die beiden nahmen sie
bei den Armen, drehten diese brutal auf den Rücken, und führten sie lachend
zurück in den Raum, in dem Danielle gelassen und mit einem kalten Lächeln
auf sie gewartet hatte. "So, du meinst also, du könntest einfach davon
laufen, du kleines Miststück? Na warte, das wirst du noch bereuen. Los helft
ihr, sich fertig zu machen, und bringt sie dann zur Dampfkammer. Sandra war
wie benommen, und zog unter dem hämischen Grinden der beiden Muskelprotze
noch weitere vier Schichten dicker Wolle, an, wobei zwei davon die ihr schon
verhassten neuen Overalls waren, die von Mrs. Wool geliefert worden waren.
Als sie endlich fertig war, und auch vier Sturmhauben und vier paar
Handschuhe trug, drängten sie die zwei Männer aus dem Zimmer und brachten
sie in einen anderen Raum. Sandra hatte begriffen, dass sie sich in
Danielles Reich befand, und die beiden Bodyguards machten sich nicht mal
mehr die Mühe, Sandra zu fesseln. Sandra hatte nur mehr einen Gedanken,
"hoffentlich findet mich Walter"

Sandra wurde in eine Dampfkabine mit durchsichtigen Wänden gebracht und an
ein Rudergerät geschnallt. Man erklärte ihr, je langsamer sie rudern würde,
um so schneller würde die Temperatur in der Kabine ansteigen. Die junge Frau
war verzweifelt, und während sie wiederstrebend zu rudern bekann, stellte
Danielle die Anfangstemperatur auf 60 Grad, und machte dann auf einer eigens
erstellte Liste neben Dampfkabine ein Häkchen. Und die Liste war noch lang.