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Kapitel 43 „Ein Nachmittag am Pool“
Auch Sandras Augen leuchteten, denn obwohl sie überzeugt war, dass das gewählte Outfit ihrem Mann gefallen würde, so war sie sich dennoch, trotz aller Worte und dem Brief nicht 100% sicher, ob wirklich „alles“ vorbei war, was mit dieser brutalen und gefühllosen Person zusammen hing. Doch sie konnte schon immer sehr gut in den Augen ihres Mannes lesen, und da war nur Freude, Zufriedenheit und Stolz zu finden, und diese Kombination machte auch sie glücklich. So glücklich, dass sie den leichten Schweiß einfach ignorieren konnte, der sich trotz des unmittelbar zuvor genossenen Bades im Pool auf ihrer Stirn gebildet hatte. „Möchtest Du einen Drink?“ fragte sie, und als Walter neuerlich nur nickte, gingen sie Hand in Hand ins Wohnzimmer, wo neben einem Cocktailshaker ein Kübel mit Eis, Zitronensaft, Zucker und „Canadian Club“ Whisky bereit stand. Erschöpft von einem anstrengenden Tag, der recht hektisch war, weil er so rasch als möglich fertig werden wollte, ließ sich Walter auf die Couch fallen, während sich Sandra daran machte, ihm einen Whisky-Sour zu mixen. Um diese Tageszeit trank Walter ihn immer mit einem Schuss Mineralwasser und als der Drink fertig war, ließ sich Sandra anmutig auf die Knie sinken. Sie reichte ihm das Glas und wartete, bis Walter sich vorbeugte, um es zu nehmen. „Trinkst Du denn nichts?“ fragte er mit sanfter Stimme. „Ich…“ Sandra schluckte leer und begann von vorn „Ich wusste nicht, welches Getränk mir zusteht, seitdem wir auf der Reise, und hier …“
Walter erkannte, wie sehr die Behandlung, die sie von Danielle hatte erdulden müssen, seine Frau verunsichert hatte. Mehr noch, ihm war klar, dass Sandra die seit Antritt der Reise begonnene Strafe noch nicht als beendet ansah. Denn wenn keine Bestrafung anstand, gab es für sie keinerlei Regelungen, was ihren Getränkekonsum betraf. Er wusste, dass er das Thema nochmals zur Sprache bringen, und dann endgültig abschließen musste, und er fand, ob ihres Verhaltens jetzt, hatte sie es verdient, dass dieses Gespräch sofort stattfand. „Du darfst trinken, was, wann und wie viel du möchtest, mein Schatz, die Strafe, die du für den Versuch, einen Karton voll Kleidung daheim zu lassen, zu bekommen hattest, ist verbüßt. Ich hoffe, wir haben beide aus der ganzen Sache etwas gelernt, und können nun versuchen, hier in San Diego glücklich zu werden. Ich würde mich natürlich freuen, wenn du dieses oder ähnliche Outfits nicht nur tragen würdest, weil du gemeint hast, noch eine Strafe verbüßen zu müssen, aber es ist ab sofort wieder deine Entscheidung.“ Walter hatte überlegt, ob er eine Einschränkung anfügen sollte, um sie darauf hinzuweisen, dass diese Freiheit natürlich nur bis zu einer neuerlichen Verfehlung gelten würde, doch nach den letzten Tagen wollte er nicht erneut Drohungen in den Raum stellen. Sandra hatte den Kopf gesenkt, als sie antwortete. „Ich werde diese Kleidung heute auch weiterhin tragen, um dir zu zeigen, wie leid mir die Sache in Seattle tut, aber ich verstehe was du meinst, und auch, dass diese Freiheit nur solange gilt, wie du mit mir zufrieden bist, Sir.“ Walter musste lächeln, es war wie früher, wo seine Frau nicht selten seine Gedanken erraten und in Worte gekleidet hatte, und er fühlte, wie nahe sie einander waren. „Gut, dann schlage ich vor, du holst dir was zu trinken und unsere Badesachen. Inzwischen werde ich diesen Drink vernichten, und dann schwimmen wir eine Runde, den Tisch im Ponderosa habe ich für halb Acht bestellt, wir haben also noch jede Menge Zeit.“ Sandra brauchte nicht lange, um mit einer Flasche Evian und den Badesachen auf die Terrasse zu kommen, und nachdem sie ihre Wollsachen sorgsam gefaltet auf einen Gartenstuhl gelegt hatte, ging sie sich zuerst bei der Solardusche duschen.
Walter hatte mit dem Drink in der Hand seine Frau beim Umziehen beobachtet und gesehen, dass sie tatsächlich eine flauschige und sehr dicke Wollstrumpfhose gewählt hatte, obwohl sie natürlich auch eine riesige Auswahl an dünneren, ebenso passenden Strumpfhosen besaß. Er fragte sich, ob sie tatsächlich Ernst machen würde, mit ihrer Ankündigung, diese Kleidung den ganzen Tag respektive Abend zu tragen, und ob sie wohl wirklich als Zeichen ihrer Reue in dieser Wollverpackung in das Steakrestaurant gehen würde. Er hatte das Ponderosa gewählt, weil es zu einer Kette von Lokalen gehörte, die im ganzen Land verstreut, das gleiche Angebot an Steaks und Meeresfrüchten bot, und Sandra ganz verliebt in das reichhaltige Buffet war, dass man nach Bestellung eines Steaks so oft besuchen konnte, wie man Lust hatte. Vor allem die Softeissorten als Nachtisch hatten es ihr immer angetan, und zumeist bedauerte sie es, vom Steak oder dem Hummer schon so satt zu sein. Walter liebte es, wenn sie wie ein ungeduldiges Kind am Sitz herumrutschte, und auf die gemeinsame Attacke des Nachtisch-Buffets wartete, und so ließ er sich immer ein paar Minuten länger Zeit, bis er sein Steak aufgegessen hatte.
Sandra hatte sich gründlich geduscht, bevor sie in den Pool stieg, und als Walter sich zu ihr gesellte, alberten sie im Becken herum, wie ein frisch verliebtes Paar. Ja, und irgendwie waren sie das auch, denn nach Tagen, an denen Sandra schon begonnen hatte, an der Liebe ihres Mannes zu zweifeln, fühlte sie heute, dass alles wieder so war, wie sie es sich in den Nächten, in denen sie von Danielle brutal gefesselt worden war, erträumt hatte.
Sie bleiben lange am Pool, und die Sonne stand schon tief, als Walter meinte, dass es langsam Zeit wäre, sich auf den Weg zu machen. Sie hatten schon einige Zeit neben dem Pool auf den Steinen gesessen, und Walter hatte sich schon ein Hemd und eine leichte Leinenhose geholt, die er fürs Dinner tragen wollte. Sie hatten noch etwas getrunken und sich angeregt unterhalten, und dabei hatte Sandra etwas ganz übersehen. Der Gartenstuhl, der zu dem Zeitpunkt, als sie ihre Wollsachen darauf gelegt hatte, durch den riesigen Sonnenschirm vor der Sonne geschützt gewesen war, stand mittlerweile – und wohl schon seit geraumer Zeit - in der prallen Sonne. Als sie die grauen Wollsachen angriff, spürte sie die Wärme, die das Material über Stunden in sich aufgenommen hatte. Walter sah, dass seine Frau stutzte, und erkannte, dass die Kleidung, die sie zu tragen vorgehabt hatte, nun noch wärmer und schweißtreibender sein würde. Er wollte ihr schon anbieten, es sich nochmals zu überlegen, denn sie hatte weiß Gott genug an hübschen Wolloutfits zur Auswahl, doch bevor er etwas sagen konnte, drehte sich Sandra mit dem gesamten Wollstapel im Arm zu ihm um, und fragte leise, aber mit bestimmter Stimme „Ich gehe mich dann umziehen, wenn du erlaubst?“ „Natürlich, aber vergiss nicht, es ist DEINE Entscheidung, niemand zwingt dich, gerade dieses Outfit weiter zu tragen, schon gar nicht jetzt, wo es so aufgewärmt ist.“ „Ich … ich werde es mir überlegen, entschuldige mich, ich bin in 10 Minuten fertig. Walter nickte nur, und sah seiner Frau nach, die sich mit samt ihren Wollsachen ins Haus verzog. Er zog sich rasch um, und wartete, mit dem Wagenschlüssel spielend gespannt darauf, zu welchem Ergebnis seine Frau wohl gekommen sein mochte.
Entgegen ihrer sonstigen Angewohnheit, ausgesprochen pünktlich zu sein, dauerte es dieses Mal länger als die versprochenen 10 Minuten. Walter war beim Spielen der Wagenschlüssel mindestens schon zehn Mal runter gefallen, und als er sich gerade wieder nach dem Ding bückte, hörte er klappernde Schritte von Schuhen mit hohen Absätzen, und als er sich aufrichtete, sah er Sandra die Treppe herunter kommen. Sie strahlte eine Ruhe und Anmut aus, die er schon so oft an ihr bewundert hatte, und die eigentlich noch gar nicht zu ihrem noch jugendlichem Alter und ihrem lebhaften Wesen passte. Doch irgendwie schaffte sie es, ihre fröhliche und lebenslustige Art mit einer Würde und Eleganz zu vereinen, die Walter immer wieder von neuem faszinierte. Inzwischen war sie die Treppe herunter gekommen, und meinte mit etwas unsicherer Stimme „Entschuldige bitte, es hat wohl etwas länger gedauert.“ „Das macht nichts mein Liebling, das Warten hat sich in jedem Fall gelohnt, Du siehst großartig aus!“ erwiderte Walter ehrlich, und hielt ihr die schwere Eingangstüre auf. Sandra war stolz über dieses Kompliment, doch da sie sich vorgenommen hatte, es sich nicht allzu sehr anmerken zu lassen, nickte sie nur leicht. Es hatte länger gedauert, weil ihr die Wahl betreffend der Kleidung letztendlich doch nicht so leicht gefallen war, wie sie es erhofft hatte. Sie hatte wohl einige Minuten vor dem Spiegel gestanden, und ins Leere gestarrt, bis sie sich zu einer Entscheidung hatte durchringen können, aber jetzt war es entschieden, und sie ging mit sicherem und geschmeidigen Gang vors Haus, wo sie in der nun schon milderen Abendsonne Kaliforniens auf ihren Mann wartete.
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