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Kapitel 21 “Der Streit”
Sandra fühlte wie die Salbe nach und nach tatsächlich zu wirken begann, und die eingebildete Wärme einer tatsächlich unerträglichen Hitze auf der Haut wich. Durch die Folie kam es zusätzlich zu einem Wärmestau, da die Körperwärme nicht einen Millimeter von der Haut weichen konnte. Sie wurde durch die Mumifizierung zur völligen Bewegungslosigkeit gezwungen, und konnte unter der Balaclava und dem Schal nur noch flach atmen. Das die Heizdecke im Schlafsack die Wirkung noch verstärkte war ohnedies klar, und Sandra war so verzweifelt, dass sie nicht mehr unterscheiden konnte, ob ihr Gesicht stärker von Schweiß oder ihren Tränen überschwemmt wurde.
Sie mochte etwa 20 Minuten gegen eine aufkeimende Panik angekämpft haben, als sie glaubte, Geräusche im angrenzenden Schlafzimmer ihres Mannes gehört zu haben. Ohne sich über Konsequenzen den Kopf zu zerbrechen, schrie sie mit samt der Knebel im Mund um Hilfe, und rief, so laut sie konnte nach ihrem Mann. Walter war tatsächlich nach Hause gekommen, und hatte noch gar keine Gelegenheit gefunden, nach seiner Frau zu sehen, oder mit Danielle zu sprechen. Von den dumpfen Rufen neugierig geworden, ging er in Sandras Zimmer, und sah den nur leicht zuckenden Schlafsack, aus dessen Kapuze nur eine dunkle Wollmaske hervor trat. Als er die Kapuze etwas zurück nahm, sah er die Folie, und ihm war klar, was Danielle mit seiner Frau getan hatte. Schnell holte er ein scharfes Taschenmesser aus seinem Zimmer, öffnete den Schlafsack, schlug die, von der Heizdecke gewärmten, Veloursdecken zurück, und zerschnitt vorsichtig den Plastikkokon. Als er den Kopf ausgepackt hatte, und Sandra noch halb geblendet den Knebel aus dem Mund nahm, sah Walter, wie stark ihre Haut gerötet war, und roch auch den typischen Duft von Salben. Noch bevor Sandra, die noch immer hemmungslos schluchzte, ihm berichten konnte, hatte er das meiste schon erahnt. Trotzdem beschloss er, sich zuerst den ganzen Tag schildern zu lassen, um dann ermessen zu können, wie weit Danielle über das Ziel hinausgeschossen hatte.
Unter langsam abklingendem Schluchzen erzählte Sandra von der Fahrt unter der Decke, den Demütigungen im Shopping-Center, dem Besuch bei Mrs. Wool, der umgebauten Terrasse und den absichtlichen Schmutzspuren, und zu guter Letzt von der Wärmesalbe und ihrer Panik, unter dem Schal zu ersticken. Walter schickte seine Frau erst mal ins Bad, und empfahl ihr, ein langes Schaumbad zu nehmen, um sich etwas zu entspannen.
In der Zwischenzeit ging Walter ins Wohnzimmer, wo er Danielle vor dem Fernseher liegend fand. “Ich finde, du übertreibst langsam wirklich zu stark. Deine Anweisungen haben nichts mehr mit einer Woll-Erziehung zu tun, sonder sind pure Folterung. Ich will nicht, dass Sandra eines Tages aus Verzweiflung alles hinschmeißt, nur weil du deine Sado-Show abziehen willst. Ist das klar?” “Hallo Walter, warum so aufgeregt? Glaub mir, wenn sich deine Frau etwas besser benehmen würde, könnte sie sich viel von dem ersparen”. “So schlecht war Sandras Benehmen bestimmt nicht, und Wärmesalbe mit Plastikfolie hat mit meinen Intentionen absolut nichts zu tun. Und auch Umbauten im Haus kannst du nicht einfach ohne meine Zustimmung veranlassen. Wenn das nochmals vorkommt, suche ich mir jemand anderen für den Job. Also, wenn du in Zukunft neue Pläne mit ihr hast, sprichst du sie gefälligst vorher mit mir ab!” “Kein Problem, mein Lieber, du bist schließlich der Boss” antwortete Danielle mit gespielter Bescheidenheit. In Wirklichkeit kochte sie innerlich, da ihr klar geworden war, das Sandra alles haarklein geschildert haben musste. “Das wird mir dieses Luder büßen” dachte sie im Stillen, während sie Walter einen Drink mixte, und so tat, als wäre sie mit Walter völlig einer Meinung.
Sandra hatte sich mittlerweile in einem lauwarmen Bad soweit erholt, dabei eine Menge getrunken, und wartete auf die Rückkehr ihres Masters. Als dieser ihr erlaubte, sich in einem Seidenkimono zu ihm zu kuscheln, und hörte, das er mit Danielles Vorgangsweise keineswegs einverstanden war, war ihre Welt schlagartig wieder in Ordnung. Sie liebte ihren Mann, und freute sich auf die Welcome-Party. Mehr noch freute sie sich auf die kommende Woche, denn Walter würde eine Außenstelle in Mexiko besuchen müssen, und hatte versprochen, sie (ohne Danielle) mitzunehmen.
Sandra merkte aber auch, dass Walter über die Scherereien bei ihrer Erziehung leicht verärgert war, und weil sie sich so sehr auf die Reise freute, nahm sie sich vor bis dahin zu gehorchen, egal was das Wochenende noch an Unannehmlichkeiten bringen würde. Sie ahnte allerdings bei diesem Vorsatz noch nicht, welche Wut Danielle wegen der Zurechtweisung und dem erneuten Abbruch ihrer Maßnahmen inzwischen hatte.
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