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Kapitel 9 “Der Strand”
Am nächsten Morgen erwachte Sandra nach einer für sie endlos langen Nacht mit wenig und nur leichtem Schlaf. Sie war erstaunt, nach einer Dusche nur einen relativ leichten Strickrock, glatte Baumwollstrümpfe und einen einzigen Rollkragenpullover auf ihrem Bett zu finden. Während sie sich anzog, träumte sie sogar davon, ihr Master hätte sich das mit der strengen Woll-Erziehung anders überlegt – denn ein Pulli mit Rock und Strümpfen in einem Wagen mit Klimaanlage war nach dem Vortag geradezu paradiesisch. Ihr Mann mahnte zwar zur Eile, weil er gegen Mittag am Strand von Big Sure sei wollte, ließ sonst aber keinerlei Bemerkung über den gestrigen Tag oder etwaige Strafen fallen.
Als sie gegen Mittag wie geplant die malerische Bucht erreichten, war Sandra fast schon soweit, sich einzureden, ihr Mann hätte sein Vorhaben überschlafen und es als zu drastisch stillschweigend revidiert. Gerade als sie jedoch aussteigen wollte, hielt er sie am Arm zurück und eröffnete ihr, dass ihre Erholungsphase soeben zu Ende gegangen sei. Er befahl ihr, sich zwei dicke Rollkragenpullover sowie eine Wollstrumpfhose und Leggins anzuziehen und dann vor dem Wagen zu warten. In stiller Resignation erfüllte Sandra die Wünsche und stand kurz darauf in einem dicken schwarzen Long-Pullover mit besonders flauschigen Kragen und einer dicken schwarzen Mohair-Leggins in der heißen Sonne. Die darunter liegende, ebenfalls schwarze Wollschicht war aus Lambswool, wodurch sie zwar nicht kratzte, aber durch eine schwere Qualität und enge Passform zu einer “hübschen” Verpackung beitrug. Nachdem ihr Master sie aus dem klimatisierten Wagen heraus einige Zeit beobachtet hatte, zog er sich eine Badeshort an, nahm ein Liegetuch und stieg in Sandalen aus dem Van. Sandra hatte keine Schuhe an, und trippelte wegen des heißen Asphalts ständig hin und her.
“Wenn ich es mir recht überlege, würde deine Kleidung total sandig, meinst du nicht auch?”
“Das fürchte ich auch ... soll ich dann ... im Wagen bleiben?” “Wo denkst du hin, der steht in der prallen Sonne, und ich will ein paar Stunden hier bleiben und das Meer genießen. Da bekommst du mir ja einen Hitzschlag! Nein ich habe eine bessere Idee. In dem großen Karton ist doch auch dein schwarzer Schianzug. Den ziehst du einfach darüber, und zusammen mit deinen Stiefeletten sollte deine Wollkleidung eigentlich sandfrei bleiben.” Erneut spürte Sandra, mit welcher Entschlossenheit ihr Master sie demütigte und bestrafte. Der angesprochene Daunen-Overall war nicht nur besonders dick abgesteppt (das absolute “non plus ultra” an Volumen und Wattierung der letzten Wintersaison), ihr Mann hatte sogar noch extra ein zusätzliches Innenfutter aus zwei Lagen Microfleece einnähen lassen. Sogar für den hochalpinen Bereich sei diese Modell ohne Zusatz warm genug – meinte der Verkäufer, aber wenn es gewünscht wird – muss wohl für eine ziemliche Frostbeule sein.
Doch der Schrecken, den diese Anweisung bei ihr auslöste, hinderte ihrem Master nicht, sie inklusive Kapuze an den Strand mitzunehmen, damit sie ihm beim Baden im Pazifik beobachten konnte. Der Anzug hatte sich innerhalb kürzester Zeit erwärmt, und Sandra, die sich nicht mal hinsetzen durfte, fühlte sich wie in einer Sauna. Obwohl ihr die Zeit entlos erschien, dauerte der Badeausflug bei weitem nicht so lange wie angekündigt und als sie zurück beim Wagen waren, erlaubte er ihr sogar, den Anzug auszuziehen und “nur” mit der restlichen Wollkleidung in den Wagen zu klettern. Nachdem sie sich gierig mit lauwarmen Getränkedosen stärken durfte, ging die Fahrt weiter gegen Süden, und sie erreichten, wie geplant, am frühen Abend San Diego.
Da ihr Mann beruflich schon oft in der Stadt gewesen war, fand er das Haus, das die Company für ihn und seine Frau gemietet hatte problemlos, und bemerkte an den beleuchteten Fenstern, dass Danielle den Schlüssel unter der Matte gefunden haben dürfte.
Nachdem sie vor der großen Garage eingeparkt hatten, stiegen sie aus dem Wagen, und Danielle öffnete die Haustüre. Sie trug ein knappes bauchfreies T-Shirt, einen Minirock der mehr freigab als er verbarg und hochhackige Schuhe. Die beiden Frauen betrachteten einander gründlich. Der Kontrast zwischen den beiden hätte nicht größer sein können. Sandra, in zwei schichten schwarzer Wolle, mit schulterlangem kastanienbraunen Haaren, und sanften braunen Augen, die aus einem hübschen, aber trotz der Klimaanlage leicht geröteten und ungeschminkten Gesicht ihr vis á vis musterten. Danielle mit ihrer minimalistischen Kleidung, kurzen blond gefärbten Haaren, zuviel Makeup und kalten eisblauen Augen, die Sandra lauernd taxierten.
Dieser kalte und harte Gesichtsausdruck war es wohl, der Sandra vom ersten Moment ihrer Bekanntschaft ein mulmiges Gefühl vermittelte. Wenn ihr Wesen so hart sein würde, wie ihr Blick, und sie tatsächlich die völlige Kontrolle .... dann .....
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