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Kapitel 44 „Das Dinner“
Hand in Hand gingen sie zum Wagen, den Walter gleich vor dem Haus in der Einfahrt hatte stehen lassen. Er öffnete seiner Frau galant die Wagentüre, und sah zu, wie sie sich anmutig in den Sitz gleiten ließ. Alles an ihr erschien weich, fließend und anschmiegsam. Sorgfältig achtete Sandra darauf, dass ihr Umhang nicht eingeklemmt wurde, als Walter die Türe schloss. Für das Schultertuch aus dunkelroter Mohairwolle hatte sie sich nach einer plötzlichen Eingebung entschlossen. Sie erinnerte sich an den gemeinsamen Winterurlaub, bei dem sie sich – ebenfalls zum Zeichen ihrer Demut – in das große Wolltuch gehüllt hatte. Ihr Outfit damals war, obwohl ebenfalls selbst gewählt, noch restriktiver gewesen, und wenn auch ihr Platz damals, direkt vor dem lodernden Kaminfeuer durchaus mit der Sonne im Süden Kaliforniens vergleichbar war, wusste sie doch, dass ihre Kleidung heute wesentlich weniger warm war. Der Grund, warum es ihr heute dennoch wesentlich schwerer gefallen war, als an jenem Nachmittag in den Bergen, lag wohl daran, dass sie dort in der Bar zwar ob der Balaclava ein paar verwunderte Blicke gespürt hatte, aber ihr Outfit grundsätzlich für die Schneelandschaft passend war. Hier in San Diego mitten im Sommer war das natürlich etwas anders. Da war ein elegantes Kostüm das Maximum, was man bei berufstätigen Frauen sah, Hausfrauen trugen so gut wie nie mehr als ein T-Shirt oder eine Kurzarmbluse und selbst modeverrückte Teenager oder Studenten hatten höchstens mal einen Sweater an, um besonders „cool“ zu wirken. Aber mehrere Wollschichten, sichtbar übereinander getragen, womöglich mit mehreren Rollkrägen übereinander, nein, das würde hier sofort auffallen. Gewiss, als sie mit Danielle einkaufen gehen musste, war sie auch nicht gerade leicht gekleidet gewesen, aber das war nicht dasselbe. Damals hatte sie sich schon darauf konzentrieren müssen, um nicht umzukippen, und der Juckreiz der Glaswolle hatte sie fast in den Wahnsinn getrieben, da waren ihr die Blicke der anderen Kunden und des Kassenhelfers mehr oder weniger gleichgültig gewesen, hingegen mit ihrem Mann in ein Restaurant zu gehen, in dem alle auf ihre Kleidung starren würden, war eine ungleich schwierigere Aufgabe.
So hatte sie sich schließlich für einen naturfarbenen Kaschmirpullover mit einem flauschigen Stehkragen entschlossen, der einen reizenden Kontrast zu ihren braunen Haaren und dem dunkelroten Schultertuch bildete. Dazu trug sie einen cognacfarbenen, fast knöchellangen Wildlederrock und passenden braunen Wildlederstiefeletten. Ihr Haar hatte sie mit einer eleganten Spange am Hinterkopf zusammengefasst, und das ganze mit einer dunklen Korallenkette einschließlich der dazugehörigen Ohrringe komplettiert. Die flauschige Wollstrumpfhose und den ebenfalls flauschigen Langarmbody, den sie darunter trug, konnte niemand sehen, auch Walter nicht. Als sie beim Restaurant angekommen waren, stellte Walter den Motor des Dienstwagens ab, den er von seinem Arbeitgeber bekommen hatte, und sah seiner Frau tief in die Augen. „Dieses Schultertuch, ….. es ist zwar wunderschön, und passt auch perfekt zu deinem Outfit, aber ich denke, es genügt, dass ich die Geste verstanden habe, die damit gemeint ist, es ist nicht nötig, dass du den Schal mit ins Restaurant nimmst, findest du nicht auch?“ „Ich …“ Sandra schluckte und versuchte es von neuem „Ich glaube,… wird es dann das selbe sein, für DICH meine ich?“ „Ja, da wird es, und ich bin überzeugt, dass dieser Pulli allein auch schon anstrengend genug wird, er ist doch „allein“ oder?“ „Nicht ganz, ein Body und eine Wollstrumpfhose werden ihn in jedem Fall begleiten“ antwortete Sandra wahrheitsgemäß. „Dann bleibt das Tuch in jedem Fall im Wagen“ entschied Walter, und auch wenn sie es zu verbergen versuchte, war seine Frau dennoch froh über diese Entscheidung. Auch ohne dem Schultertuch warf man ihr so manchen erstaunten Blick zu, doch ob des Lederrocks war es nicht mehr ganz so auffällig, wie es das graue Ensemble vom Nachmittag gewesen wäre.
Das Restaurant war gut klimatisiert, und das Essen ausgezeichnet. Sandra trank eine Menge Eistee und sie unterhielten sich ausgezeichnet. „Carolin, meine Sekretärin hat mir einen Tipp gegeben, wo wir ein besser geeignetes Dienstmädchen herbekommen könnten“ erzählte Walter seiner Geliebten, während sie auf die Steaks mit Ofenkartoffel warteten. „Ich habe auch schon angerufen, und für Morgen einen Termin ausgemacht. Sie heißt Maria, ist noch ziemlich jung, aber laut Carolin sehr tüchtig. Sie kommt gegen Zehn, und ich möchte, dass du sie dir mal unverbindlich anschaust“ „Wirst du nicht dabei sein?“ frage Sandra vorsichtig. „DU wirst mit ihr auskommen müssen, ich werde sie kaum sehen, und daher musst auch DU entscheiden, ob du mit ihr kannst. Die jungen Dinger sind meist noch ziemlich unerfahren, aber entscheidend ist, ob sie dich akzeptiert, und tut, was du sagst“ „Wenn du meinst, dann sehe ich sie mir mal an“ meinte Sandra, und freute sich schon darauf, mit jemanden plaudern zu können. Von der Party abgesehen hatte sie kaum Kontakt gehabt wenn man von Danielle und diese Mrs. Wool mal absah, und es würde ihr gut tun, mal ein wenig reden zu können, ohne dass jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wurde.
Der Abend war ein voller Erfolg, ein ausgezeichnetes Essen, dann noch ein kleiner Spaziergang durch die nahe Shoppingmall, und als sie nach Hause kamen, tranken sie noch ein Flasche kalifornischen Rotwein auf der Terrasse. Sandra war rundherum glücklich, sie hatte sich nicht mehr umgezogen, sonder stattdessen das Schultertuch mit auf die Terrasse genommen. Obwohl es natürlich keineswegs zu kalt war, um in ihrem Outfit im Freien zu sitzen, kuschelte sie sich in den Schal, und sah im Licht der Gartenlaternen bezaubernd aus. Ihre Wangen waren ein wenig gerötet, aber sie selbst hätte nicht sagen können, ob die Wollkleidung oder der Wein daran Schuld trugen. Es war auch nicht wichtig, gar nichts war wichtig, außer dass ihr Master ihr verziehen hatte, und sie wieder das was sie am liebsten mochte sein durfte, nämlich „seine“ Frau.
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