Danielle

Kapitel 10 "Danielle"

"Hallo Walter, da bist du ja, ich war mir nicht sicher ob du es heute noch schaffen würdest. Hattest du eine angenehme Reise?" Sandra war über diese Begrüßung, vor allem über den lockeren Ton mit dem die junge Frau mit ihrem Mann sprach, verwundert. Es sah fast so aus, als ob sich die Beiden schon lange kannten, den ihr Mann ging auf die Frau zu, reichte ihr beide Hände und gab ihr einen Begrüßungsküsse auf die Wange. "Hallo Danielle, wie ich sehe, hast du den Schlüssen gefunden. Hast du dich schon umgesehen? Was hältst du von meiner "Hütte". "Das Haus ist fabelhaft mein Lieber, komplett klimatisiert, ein Traum von einem Pool im Garten, und der Keller ist ebenfalls perfekt".

"Wieso sah sich diese Person so gründlich im Haus um, und was heiß "der Keller ist perfekt?" dachte Sandra. Der erste negative Eindruck, den sie hatte, bestätigte sich sofort. Nicht nur, dass es Walter nicht für nötig zu halten schien, die Vorstellung zu übernehmen, taten die beiden so als wäre sie gar nicht da. Danielle fuhr inzwischen fort "die restlichen Räume sind für meinen Geschmack  ein wenig bieder möbliert, aber sonst ganz okay. Am besten du kommst erst mal herein, es ist so schwül hier draußen". Sie wollte sich schon umdrehen und vorausgehen als sie kurz innehielt. "Das heißt, ... das ist wohl deine Frau? Vielleicht sollte sie inzwischen das Gepäck ausladen? Drinnen ist es noch überall eher kühl, ich habe die Räume NOCH NICHT separat klimatisiert.

Sandra blieb der Mund offen stehen. Wollte ihr Mann dieses Benehmen tatsächlich zulassen? Schließlich war sie doch eine Angestellte! Trotzdem tat sie so, als wäre sie die Hausbesitzerin, Walter ein lieber Gast und Sandra jemand vom Personal. Herausfordernd sah Danielle von den Treppen aus auf Sandra herab. Als  Walter zustimmend erwiderte, dies sei eine gute Idee, und seiner Frau befahl, sie solle schon mal die Schachteln ausladen, er werde inzwischen prüfen, was wohin kommen soll, brachte Sandra keinen Ton heraus. Sie hatte trotz der strengen Behandlung während der Fahrt bis zu Letzt die Hoffnung gehabt, die Sache mit den Vertauschten Rollen zwischen dem Dienstmädchen und ihr wäre nur eine Drohung gewesen, um sie zu erschrecken. Als sie nun die Schachteln mit ihren Sachen auslud, wurde ihr klar, das dies kein schlechter Scherz, sondern der volle Ernst ihres Masters war. Sie begann fieberhaft zu überlegen, ob sie entweder abwarten sollte, wie streng sich Danielle tatsächlich verhielt, oder ob sie Walter nochmals um Verzeihung und um Gnade bitten sollte.

Danielle hatte Recht mit der Bezeichnung "schwül". Es war in der Dämmerung tatsächlich dunstig, immer noch über 25 Grad warm und Sandra wurde in den zwei Wollschichten entsprechend heiß. Die körperliche Arbeit trieb ihr den Schweiß auf die Stirn, und als Danielle nach einiger Zeit herauskam, stellte sie befriedigt fest: "Es scheint, daraus kann man etwas machen. Los nimm die erste Ladung von deinem Zeug, ich zeige dir, wo es hinkommt." Sie machte keine Anstalten, Sandra zu helfen, und hielt ihr nicht einmal die Türen auf, um sie mit den großen Schachteln durchzulassen. Im ersten Stock ging es erst mal nach links und dann in ein eher kleineres Zimmer mit einem Einzelbett. "Das ist dein Zimmer, und für dein Zeug wirst du noch ein Paar Schränke im Flur bekommen". "Das muss ein Irrtum sein, mein Mann und ich schlafen nie in getrennten Schlafzimmern” "Liebchen, du glaubst doch nicht, Walter schläft wegen dir ohne Klimaanlage, und bei dir habe ich sie schon mal zentral abgeschaltet. Wohlgemerkt nur abgeschaltet! Wenn dein Benehmen zu Wünschen übrig lässt, lässt sich der Raum genauso gut permanent heizen. Ich glaube in der Betriebsanleitung stand etwas von maximal 35 Grad bei geschlossener Tür. Also nimm dich in Acht. Und nun sieh zu, dass die Sachen heraufkommen". Danielle verließ das Zimmer, drehte sich aber noch kurz um. "Und noch etwas, damit wir uns richtig verstehen: Pro Wiederspruch gibt es ab sofort eine deiner Balaclavas als Sofortstrafe, kapiert?” "Das ist bestimmt nicht deine Entscheidung" fauchte Sandra in plötzlich aufkeimender Wut und knallte die Tür zu. Verzweifelt warf sich Sandra aufs Bett und begann leise zu schluchzen. Sie war zu erschöpft und verwirrt, um sich über die Folgen dieses Benehmens Gedanken zu machen?