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Kapitel 3 “Die Abfahrt in den Süden”
Eigentlich musste sich Sandra später eingestehen, dass es ihre eigene Schuld war, dass ihr sorgsam geplanter Trick letztendlich schief gegangen war. Ihre Idee war es, die unangenehmsten und strengsten Kleidungsstücke in einem extra Karton zu verpacken, mit der Begründung, das die Sachen für den Fall einer von ihrem Master gewollten Bestrafung nicht erst in den Tiefen des Transporters gesucht werden müssten. Und dieser Karton sollte dann “versehentlich” im Haus zurückbleiben. Um sicher zu gehen, dass die Hilfskräfte den Karton nicht doch einluden, verbarg sie ihn bis zur Abreise im begehbaren Wandschrank ihres Schlafzimmers. Kurz vor der Abfahrt stellte die den Karton so neben das Bett, dass er von der Türe aus nicht sichtbar war, und bei einer oberflächlichen Kontrolle tatsächlich übersehen worden sein konnte.
Dann verließ sie, nicht ohne leichten Gewissensbissen das Haus, und stieg in den Wagen. Obwohl sie durchaus warm gekleidet war, immerhin trug sie eine schwarze Wollstrumpfhose zu einem wadenlangen Strickrock und einem hellgrauen Twinset aus Angorawolle (mit langärmeligem Pulli und Weste) hüllte sie sich unaufgefordert in das riesige Schaltuch, bevor sie den Sicherheitsgurt schloss. Auch den Koffer für die Reise hatte sie freiwillig mit eher strengerem Outfit gepackt, beides geschah wohl eher unbewusst um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Ihr Mann nahm es mit einem wohlwollenden Blick zur Kenntnis und lenkte den Transporter aus der Einfahrt ihres Hauses.
Bei der ersten Kreuzung begannen sie, wie bei jeder Reise, über möglicherweise vergessene Sachen nachzudenken. Da aber praktisch mit Ausnahme der Möbel, des Hausrates und seiner Wintersachen alles im LKW verstaut war, schien kein Versäumnis möglich. Bis ihr Mann die beiden Tennistaschen erwähnte, die er sie zu verstauen gebeten hatte. “Ich werde zwar viel arbeiten müssen, aber eine Tennisanlage ist wenige hundert Meter vom neuen Heim entfernt, nimm also bitte die Ausrüstung mit” – hatte er gestern noch erwähnt – und sie hatte es vergessen! Als ihnen im Wagen klar wurde, dass sie zurück fahren mussten, meinte er noch halb scherzhaft, er müsse wohl ihre Aufmerksamkeit etwas mehr fördern. Als sie beim Haus ankamen, wollte Sandra die Taschen unbedingt selbst aus dem Dielenschrank holen, aber ihr Mann ließ es nicht zu, eigentlich aus reiner Höflichkeit, die sie sich trotz ihrer SM-Beziehung für einander erhalten hatten.
Als ihr Mann wenig später mit den Taschen zurückkam, schien alles in Ordnung zu sein. Er verstaute die Taschen und stieg in den Wagen. Gerade als er den Zündschlüssen umdrehen wollte bemerkte er beiläufig, er hätte, als er sich noch die neuen Tennissocken gesucht hatte, einen großen Karton neben dem Bett gesehen. Sandra lief ein Schauer über den Rücken und gleichzeitig wurde sie knallrot im Gesicht. Sie war auf die Frage so nicht vorbereitet, und als er mit sanfter Stimme fragte, ob sie eine Idee hätte, was in diesem Karton sein könnte, war ihr klar, das er nicht nur den Inhalt kannte, sondern auch ihren Versuch durchschaut hatte. Sie konnte ihm nicht mehr in die Augen sehen, sonder antwortete mit gesengtem Blick und fast unhörbar “Das sind die Sachen für eine strenge Bestrafung und ich bitte darum, sie holen zu dürfen, und um ... eine Strafe, weil ich sie zurücklassen wollte”. “Geht in Ordnung, meine Liebe, und zwar BEIDES!!”
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