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Kapitel 8

Es war schon nach Mitternacht und der aufregende Tag forderte von allen sechs Freunden seinen Tribut. Selbst Jessika war ungewöhnlich ruhig geworden. Doch als Petra vorschlug schlafen zu gehen, war sie es, die eine Nachtwache anregte und sich dafür zur Verfügung stellte.
„Die Idee ist gut,“ bestätigte Peter. „Aber auch du brauchst etwas Erholung. Wir sollten uns alle zwei Stunden abwechseln und paarweise Wache schieben. Das hilft gegen Langeweile und die Gefahr des Einschlafens. Wer hat Lust, mit Jessika zusammen die erste Wache zu übernehmen?“
Zunächst versuchten alle, so unbeteiligt wie möglich auszuzehen. Alle wollten eigentlich nur eines: schlafen. Dann aber ließ Hilli sich erweichen und hob zaghaft die Hand.
„Danach kann ich wenigstens vier Stunden am Stück schlafen,“ meinte sie und die anderen ärgerten sich, daß sie nicht selbst darauf gekommen waren.

Gemeinsam machten die sechs Freunde einen Rundgang durchs Haus, um zu prüfen, ob Fenster und Türen gut verschlossen waren. Dann machten es sich Jessika und Hilli an einer Fensterbank mit Blick in die rabenschwarze Nacht so bequem wie möglich. Peter brachte ihnen etwas zu Trinken, während Petra eine weiße Angoradecke holte und diese um Jessika wickelte.
„Brauche ich nicht,“ entgegnete der Rotschopf ein wenig gereizt. „Mir ist nicht kalt.“
„Noch nicht. Aber in deinem dünnen Hemd wirst du bald frieren. Also keine Widerrede.“
„Petra hat Recht,“ sagte Hilli leise. „Außerdem ist diese Angoradecke himmlisch flauschig.“
Demonstrativ zog sie die weiche Decke über den Kopf, kuschelte sich bis zur Nasenspitze hinein und schnurrte behaglich wie ein Kätzchen. Jessika war überredet. Sie ließ sich sogar dazu hinreißen, einmal kurz durch den tiefen, weichen Angoraflausch zu streicheln und bemühte sich vergeblich den Ausdruck des Wohlbehagens in ihrem Gesicht zu verbergen.
Schmunzelnd nahm Peter seine Petra in den Arm und forderte die anderen beiden Mädchen auf, ihnen nach oben zu den Schlafzimmern zu folgen.
„Sucht euch ein Zimmer aus,“ meinte Petra und zog ihren verduzten Freund mit sich in ihres. „Du kommst mit zu mir.“
„Wenn’s sein muß,“ antwortete Peter innerlich jubelnd und bekam sogleich einen kräftigen Schubs, der ihn auf das mit einer beigefarbener Angoradecke bezogene Bett beförderte.
„Pack’ dich schon mal ins Bett. Ich komme gleich nach. Will mir nur etwas anderes anziehen,“ sagte Petra zärtlich und verschwand im angrenzenden Badezimmer.
Was anderes anziehen? Ein durchsichtiges Negligee konnte er sich an Petra ganz und gar nicht vorstellen. Andererseits war sie immer für eine Überraschung gut. Auch wenn er eigentlich totmüde war, dies war die Nacht der Nächte, die Gelegenheit, um Petra zu vernaschen! Das hatte er sich schon gewünscht, als sie sich zum ersten Mal begegneten. Auch seinen kleinen Freund unter der Latzjeans und der flauschigen Strumpfhose schien dieser Gedanke zu Höchstleistungen zu erregen. Eilig zog sich Peter nackt aus und schlüpfte hinein in das kuschelweichste Bett, das jede Vorstellung übertraf. Was für ein Gefühl, rundherum von reinster, flauschigster Angorawolle umgeben zu sein! Dazu die Erwartung des langersehnten Liebesspiels. Peter zitterte vor Erregung und vergaß darüber sogar seinen Brummschädel. Endlich, endlich ging die Tür zum Badezimmer wieder auf und Petra trat in das sanfte Licht des Schlafzimmers. Peter verschlug es den Atem. Alles hatte er erwartet, nur das nicht! Seine Freundin, seine Geliebte war nicht nackt, alles nur das nicht. Ganz im Gegenteil. Sie trug etwas, das Peter sofort einen Strampelanzug erinnerte. Er war aus verführerisch flauschiger Angorawolle und hatte angestrickte Füßlinge. Als sie auf ihn zu kam, wogte der zartrosafarbene Flausch hin und her. Dazu trug sie eine ihrer voluminösen, weißen Angoramützen, die mit langen Kordeln unter ihrem Kinn zusammengebunden war, und weiße, weiche Angorahandschuhe. Doch das schien noch nicht alles zu sein. Entweder hatte sie innerhalb weniger Minuten mächtig Gewicht zugelegt, oder aber sie trug noch mindestens zwei weitere Angorapullover und -strumpfhosen darunter. Mit einem strahlenden Lächeln löschte sie das Licht und kroch zu Peter unter die kuscheligen Decken.
„Du bist ja nackt!“
„Ich da ... dachte ...“ stotterte Peter.
„Ich weiß schon, was du dachtest!“, flüsterte sie, begann zärtlich an seinem Ohr zu knabbern und mit ihrer flauschig weichen Hand sanft über seinen Oberkörper zu streicheln. Langsam, ganz langsam tastete sie sich weiter nach unten und erreichte seinen Bauchnabel. Peter schlang seine Arme um ihren Körper und zog sie noch näher zu sich heran. Er konnte ihren Zahnpastaatem riechen. Immer intensiver wurde der Geruch, bis sich ihre Lippen und schließlich die Zungenspitzen berührten. Petra streichelte dabei unablässig weiter, hatte schon fast seinen betonharten Lümmel erreicht, als sie plötzlich davon abließ. Stattdessen fummelte sie in Hüfthöhe an ihrem Schlafanzug herum. Peter hörte mehrfach ein Klicken, das wie das Öffnen von Druckknöpfen klang. Dann, nach unendlich langen Sekunden umfaßte sie sein Stehaufmännchen und führte ihn durch dicke, weiche Angoraschichten bei sich ein. Im Gleichklang der Bewegungen, sich gegenseitig streichelnd und küssend steigerte sich die Erregung der beiden in bisher ungeahnte Dimensionen. Peter war kurz vor der Ekstase, doch er kämpfte dagegen an. Er wollte, nein er mußte dieses herrliche Gefühl der Vorfreude auf den Orgasmus noch so lange wie möglich genießen. Der Flauschrausch gepaart mit dem zärtlichsten Sex, den er je erlebt hatte, war so unendlich schön, daß er gar nicht merkte, wie er langsam auf Petra rollte, sein Gesicht in den Angoraflausch um ihre vollen Brüste tauchte und seine Arme noch fester um ihren Körper schlang. Dann aber konnte er sich nicht mehr halten. Auch Petras feines Stöhnen hatte sich inzwischen zu einem leisen Kreischen und hastigen Atmen gewandelt. Er bäumte sich auf. Alle Sinne schienen zur selben Zeit zu explodieren. Und ein Feuerwerk entstand in seinem Kopf, als Peter sein kostbares Gut an Petra übergab. Wie in Trance machte er noch weiter bis Petra einen spitzen Schrei von sich gab, der sogleich in schweres Atmen überging. Keuchend lagen sie aufeinander. Allmählich löste sich die Spannung in Peters Händen, die sich tief in den weichen Angoraflausch ihres Schlafanzuges gegraben hatten. Er zog seinen ungeahnt leistungsfähigen kleinen Freund, der sich immer mehr entspannte, aus ihr und legte ihn auf ihrem kuscheligen Oberschenkel für einen Moment zur Ruhe.
„Fröhliche Weihnachten, mein Schatz,“ säuselte Petra.
„Das war ein Fest!“; gab er zurück.
Danach rollte er von ihr herunter, bevor sie eng aneinadergekuschelt einschliefen.

„Auuufwaaachen, auuuufwaaaaachen,“ hörte Peter im Traum eine Stimme rufen. Das konnte nicht sein. Er war doch gerade erst zu Bett gegangen. Vorsichtshalber öffnete er dann doch seine Augen, um sie danach sofort wieder zu schließen. Er hatte direkt in das grelle Licht der Schlafzimmerlampe geblickt. Dann fühlte er, wie etwas weiches an seiner Nase kitzelte. Er riskierte einen zweiten Versuch, die Augen aufzumachen und blinzelte in das schelmisch grinsende Gesicht von Katharina.
„Wasnlos?“, brummelte er.
„Tut mir leid, aber ihr seid mit der Wache dran,“ meinte Kathi.
„Mussndassein?“
„Bitte! Ich will auch noch ein bißchen schlafen.“
Neben Peter rekelte sich Petra schlaftrunken und gähnte herzhaft.
„Ist es schon Morgen?“
„Fast, es ist halb sechs,“ antwortete Kathi ihr.
„Viel zu früh,“ nuschelte Petra und schmiegte sich wieder an Peter.
„Komm schon, Kathi hat recht. Wir sind mit der Wache dran. In zwei Stunden kannst du weiterträumen.“
„Hmmm ...“, maulte Petra mißmutig und wurschtelte sich aus dem warmen, weichen Kuschelbett.
Erst jetzt erinnerte sich Peter daran, daß er splitternackt war. Die Schamröte stieg merklich in ihm auf.
„Schon gut, ich bin weg,“ sagte Kathi verständnisvoll und zwinkerte ihm zu. Widerwillig stand Peter auf, schauderte ob der Kälte im Schlafzimmer und mußte erst gar nicht dazu aufgefordert werden, seine Angorastrumpfhose und danach gleich seinen Angorapulli anzuziehen. Während seine Freundin die weißen Hüttenschuhe überstreifte, wickelte er sich zusätzlich in die beigefarbene Angoradecke ein, nahm seine noch schlaftrunkene Geliebte bei der Hand und ging mit ihr nach unten. Auf der Fensterbank wartete eine Thermoskanne voll Kaffee, zwei Becher, Milch und Zucker auf die beiden Wachhabenden. Nett von den anderen, dachte Peter und schenkte ein. Dann wickelte er Petra mit in seine Kuscheldecke ein, setzte sich mit ihr und begann in die schwarze Nacht zu starren. Bald schon hörte er an den gleichmäßigen Atemzügen, daß sein Mädel in seinen Armen wieder eingeschlafen war. Sie hatte ihren Kopf an seine Wange gelehnt und er genoß es, sich vom weichen Flausch der dicken Angoramütze streichen zu lassen.

Draußen wurde es langsam heller. Nicht nur der Morgen graute, auch die dicken Schneewolken hatten sich verzogen. Der Tag versprach schön zu werden. Peter rieb sich fest die Augen, fischte einen Angorafussel aus dem Mundwinkel und hielt plötzlich inne. Da war doch was! Am Waldrand gegenüber hatte sich etwas bewegt. Sofort war er hellwach, schob Petra zur Seite und kniff die Augen zusammen. Da, schon wieder! Einige niedere Tannen wackelten und Schnee rutschte von den Zweigen. Peter duckte sich und schielte über das Fensterbrett. Sein Herz pochte so laut, daß Petra daran aufgewacht zu sein schien. Unübersehbar bewegten sich mehrere Schatten durchs Unterholz.
„Ist was?“, fragte sie und zog die Kordeln ihrer flauschigen Mütze fester zu.
„Ja. Im Wald bewegt sich etwas.“
„Sind sie es?“
„Ich fürchte ja.“
„Jetzt sitzen wir in der Falle!“, fürchtete Petra.
„Ins Haus kommen sie nicht so schnell rein. Das werden wir verhindern! Such mein Handy, damit wir die Polizei rufen können.“
„Handys funktionieren hier oben nicht. Ich hab gestern versucht, dich zu erreichen,“ erklärte Petra.
„Dann müssen wir uns eben selbst helfen.“
„Mistkerle! Heute ist doch Weihnachten.“
„Zur Feier des Tages können wir sie ja mit Christbaumkugeln beschießen.“
„Daß du in solch einer Situation Witze machen kannst,“ schimpfte Petra.
In diesem Moment wurde eine der Tannen zur Seite gedrückt und die dunklen Schatten traten hinaus auf die Lichtung. Peter blieb fast das Herz stehen und Petra stieß einen angstvollen Schrei aus. Doch dann mußten beide herzlich lachen. Drei Rehe stapften durch den tiefen Schnee, reckten kurz die Hälse und verschwanden anschließend ein paar Meter weiter im Dickicht.

An Schlaf war nun nichtmehr zu denken. Es war kurz nach halb acht Uhr und die ersten Sonnenstrahlen blinzelten von Osten her durch den Wald. Petra räkelte sich genüßlich, reckte und streckte sich und gab ihrem Liebesten schließlich einen Kuß.
„Wofür?“
„Weil es dich gibt,“ sagte sie lächelnd, wickelte sich aus der kuscheligen Angoradecke und erhob sich.
„Ich muß mich umziehen. Mach du inzwischen Feuer. Es ist saukalt,“ stellte sie mit schaudern fest.
Wie kann sie in diesem dicken Angoraoutfit überhaupt spüren, ob es warm oder kalt ist, fragte sich Peter. Aber süß sah sie aus in ihrem rosa Schlafanzug. Petra schien seine Gedanken erahnt zu haben und warf ihm noch einen kessen Blick zu, bevor sie sich nach oben begab. Kopfschüttelnd zog Peter seine Angorastrumpfhose hoch. An dieses kuschelige Stück hatte er sich inzwischen mehr als nur gewöhnt. So weich und flauschig und warm und ... wie peinlich, er hatte gar nichts drüber.
„Bring mir eine Jeans mit,“ rief er Petra hinterher. Daß sie ihn nichtmehr hören konnte, wußte er nicht.
Gut gelaunt legte Peter drei große Holzscheite in den offenen Kamin, packte ein paar Tannenzapfen dazu und blies in die Glut, die von der langen Nacht noch übrig geblieben war. Bald erfüllte ein knisterndes Feuer den Raum mit Wärme, ohne daß gleich das ganze Zimmer in Flammen stand. Peter hatte von den vorangegangenen Versuchen als Feuerwerker gelernt und das Schutzgitter vor den Kamin geschoben. Zufrieden ließ er sich in einen der schweren Ledersessel fallen und schaute gedankenverloren ins Feuer.
„Da bin ich wieder,“ hauchte eine Stimme zärtlich in sein linkes Ohr.
„Schön, hast du mir eine Jeans mitgebracht?“, wollte er wissen und drehte sich zu Petra um.
„Hätte ich sollen? Tut mir leid. Aber ich habe eine zweite Angorastrumpfhose und einen kuscheligen Pulli für dich. Darin gefällst du mir ohnehin besser,“ meinte sie und hielt ihm die Sachen hin.
„Ach Petra, ich kann doch nicht in Strumpfhosen herumlaufen. Nicht vor den anderen,“ beschwerte sich Peter, obwohl er wußte, daß Widerstand zwecklos war.
„Ich kann es doch auch. Sieh mich an. Habe ich vielleicht keine Strumpfhose an?“
Natürlich hatte sie eine an. Vermutlich nicht nur eine, sondern gleich drei. Und dazu einen eisblauen Maxipulli mit einem Rollkragen der gut und gerne viermal umgeschlagen war und ihr noch immer bis zur Nasenspitze reichte. Beides, Strumpfhose und Pullover waren so flauschig, daß man die Maschen des Gestricks mehr erahnen als sehen konnte. Sie sah wie immer unwiderstehlich aus.
„Zieh die Sachen an. Mir zuliebe. Bitte!“, flehte sie mit treuherzigem Blick.
„Na gut. Dir zuliebe mache ich mich sogar lächerlich,“ antwortete Peter, nahm ihr die weichen Angorastricksachen ab, streifte die dunkelblaue, kuschelige Strumpfhose über die andere und schlüpfte anschließend in den hellblauen Superpulli. Er war riesig und unglaublich dick. Es dauerte einige Zeit, bis sein Kopf den Ausgang durch den voluminösen Rollkragen fand. Petra mußte ihm sogar dabei helfen und den Kragen einmal, zweimal, gleich dreimal umschlagen. Was für ein Gefühl, dachte Peter, streichelte über den dichten Flausch über seinem Bauch und schaute an sich herunter. Der Pullover reichte bis zu seinen Oberschenkeln.
„Und? Ist das nicht ein herrlicher Pulli?“, fragte Petra kess.
„Ja. Langsam aber sicher steckst du mich mit deiner Angoramacke an. Unglaublich weich! Und dieses Outfit hat noch einen weiteren Vorteil ...“
„Der wäre?“, wollte Petra wissen.
„Damit habe ich leichtes Spiel mit den Gangstern. Wenn sie mich so sehen, werden sie sich totlachen.“
„Schön wär’s.“

Auch wenn sie sich nichts anmerken ließ, Peter fühlte, daß seine Freundin große Angst hatte. Er nahm sie fest in die Arme, streichelte sie sanft und gab ihr einen langen Kuß dahin, wo er ihren hübschen Mund unter dem dichten Angoraflausch ihres Kragens vermutete. Als er sich nach einigen, viel zu kurzen Minuten von ihr lösen konnte, fragte er:
„Habe ich mich eigentlich schon für die wunderschöne Nacht bei Dir bedankt?“
Petra lächelte wieder. Doch bevor sie etwas sagen konnte, hörten sie Stimmen und gleich darauf Schritte auf der Treppe. Hilli war noch immer in die rote Angoradecke gekuschelt. Ob sie dieses flauschige Stück wohl jemals wieder hergeben würde? Ihr folgte eine noch sehr verschlafen wirkende Katharina in einem zartgelben Mohairanzug, mit einem weißen Angoraschal um den Kopf gewickelt und weißen Angorasöckchen an ihren zierlichen Füßen.
„Fröhliche Weihnachten,“ murmelte sie, gab zuerst Petra, dann Peter ein Küßchen auf die Wangen und ließ sich dann in einen der Ledersessel fallen.
Nur wenig später gesellte sich eine in ihren beigefarbenen Mohairpulli gepackte Eva dazu. Und zuletzt erschien Jessika. Als sie in die Runde ihrer neuen und alten Freunde sah, schien sich ihre rote Haarmähne noch mehr aufzustellen. In Jeanshose und -hemd mußte sie sich wie eine Außenseiterin vorkommen. Sie fühlte sich unwohl, lachte nicht einmal über Peters flauschigen Aufzug. Petra erkannte sofort, was los war, nahm sie in den Arm und sagte:
„Komm mit mir nach oben. Bei meinen Sachen ist sicher etwas kuschelweiches für dich zu finden.“
„Nicht nötig, mir ist warm genug. Ich brauche keine Fusselklamotten,“ sträubte sie sich.
„Was hast du gegen flauschige Stricksachen?,“ wunderte sich Petra.
„Sie wurde als Baby in Eiswasser gebadet,“ fiel Eva den beiden ins Wort.
„... und bekam den Po mit Schleifpapier gewischt,“ ergänzte Hilli schmunzelnd.
„Immernoch besser, als in Watte gepackt zu werden,“ konterte die grimmig aussehende Jessika.
„Ihr müßt wissen,“ begann Eva zu erklären, „Jessika hatte es als Kind alles andere als leicht. Sie war ziemlich mollig und ...“
„EVA!“
„... und nicht nicht gerade hübsch, um nicht zu sagen häßlich.Dazu ihre roten Haare. Ich kenne sie seit der Grundschule und weiß, was sie durchmachen mußte. Sie wurde aufs Übelste gehänselt und konnte keine Freunde finden.“
„Eva, das geht niemanden etwas an!“, sagte Jessika schroff.
„Doch, wir sind deine Freunde. Das geht uns deshalb etwas an, weil wir dich mögen!“, gab Eva ebenso hart zurück. „Jessika bekam psychische Probleme, begann zu stottern und machte ...“
„Eva, ich warne dich!“
„... sich ständig in die Hose.“
„Was erzählst du hier Lügen? Ich hasse dich!“
„Dann haßt du mich eben. Es sind keine Lügen. Irgendwann muß es einmal raus. Du kannst nicht immer alles in dich hinein fressen, hinter deiner burschikosen Art verbergen. Es war damals schlimm für Dich, und du hast mir wahnsinnig leid getan. Heute ist das alles überstanden. Du bist eine bildhübsche Frau, zu der das rauhbeinige Gehabe ganz und gar nicht paßt.“
„So bin ich eben.“
„So bist du eben nicht! Ich weiß doch, wie du darunter leidest, daß du keinen Freund hast. Kaum interessiert sich einer für dich, wirst du zur Hexe, die derbe Sprüche von sich gibt und sich über andere lächerlich macht.“
„Das tue ich nicht!“
Jessikas Brustkorb hob und senkte sich wie bei einem wütendenden Stier. Aber die feuchten Augen bewiesen, daß Eva ins schwarze getroffen hatte.
„Na wer hat denn vor lachen unter dem Tisch gelegen, als Peter in seinen Angorasachen bei uns aufkreuzte? Du doch. Du gibst heute zurück, was du als Kind erleiden mußtest. Das macht dich nicht unbedingt liebenswert. Wir alle hier haben dich trotzdem sehr gern und für uns ist es wichtig, daß es dir gut geht. Also, sei einmal die Frau, die du gerne sein möchtest: zärtlich, verschmust, romantisch und offenherzig. Nur einmal! Du wirst sehen, wie schön das ist. Und jetzt geh mit Petra nach oben und laß dir etwas zum Einkuscheln von ihr geben.“
Für den Bruchteil einer Sekunde war in Jessikas Mundwinkel ein Lächeln zu erahnen. Durch einen Tränenschleier schaute sie Petra in die Augen. Die nickte nur aufmunternd und verließ dann mit ihr den Raum. Alle anderen waren wie erstarrt, nur Eva zitterte vor Erregung und schnaufte laut. Nach einigen schweigsamen Minuten sagte sie:
„Ich habe Jessika viel zu gerne, um ihre Spielchen noch länger mitansehen zu können. Ich mußte das irgendwann einmal loswerden. Meint ihr, sie ist mir wirklich böse?“
„Naja, Blümchen waren das nicht, was du ihr an den Kopf geworfen hast, aber anders versteht sie es wohl kaum,“ versuchte Hilli die verunsicherte Eva zu beruhigen.

Gute zehn Minuten standen und saßen die vier wortlos beieinander. Doch als die Tür zur „guten Stube“ geöffnet wurde, richteten sie wie auf Kommando ihre Blicke auf das was oder besser die, die gleich hereinkommen würde. Nicht nur Peter fiel der Unterkiefer hörbar auf die Brust. Jessika war kaum wiederzuerkennen. Sie trug ein feuerrotes Twinset aus zweifellos reiner Angorawolle. Der üppige Rollkragen reichte bis an ihre Ohren. Dazu hatte sie schwarze Angora-Bermudas und eine dicke Strumpfhose aus der selben roten Angorawolle wie die Oberteile an. Ihre Füße steckten in schwarzen Angorasocken, über die sie schwarze Stiefeletten gezogen hatte. Dazu die roten Wuschelhaare und das beschämte Lächeln in ihrem Gesicht. Sie sah absolut umwerfend aus. Nicht zuletzt Peters Lümmel unter seinen Angorastrumpfhosen hatte das bemerkt und zuckte verdächtig.
„Bist du mir noch böse?“, fragte Eva vorsichtig.
Statt zu antworten, ging Jessika auf sie zu und gab ihr eine nicht gerade zimperliche Ohrfeige. Anschließend nahmen sich die beiden in die Arme, streichelten sich gegenseitig über die flauschig eingehüllten Körper und weinten hemmungslos. Gerührt von diesem Anblick kuschelte sich Petra an ihren weichen Freund und ließ sich mehrmals auf ihre Locken küssen. Jetzt ist Weihnachten, dachte Peter.

<weiter>