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Kapitel 4
Peter wurde von der aufgehenden Sonne geweckt. Seltsam, dachte er, hatte er vergessen die dichten Vorhänge in seinem Schlafzimmer zu schließen? Geblendet und verschlafen rieb er sich die Augen, um dann festzustellen, daß er auf der Wohnzimmercouch geschlafen hatte. War das alles etwa doch kein schlechter Traum? Ungelenkig richtete er sich auf und blinzelte in die Sonne. Ja, richtig, er war auf der Hochzeit seines Arbeitskollegen. Vermutlich hatte er zuviel getrunken und es nach seiner Heimkehr nur noch bis zum Sofa geschafft. Entweder hatte er den Sonntag komplett verschlafen und einen irrsinnigen Alptraum von einer Entführung und anderem Mist gehabt oder es war erst Sonntagmorgen. Das heftige Brummen seines Schädels bekräftigte die Theorie von zu viel Alkohol und merkwürdigen Träumen. Er fröstelte ein wenig und wickelte sich in die riesige, weiße Angoradecke, unter der er geschlafen hatte. Noch immer nicht ganz bei Sinnen stand er auf und tapste ans Fenster. Draußen lagen mindestens 15 Zentimeter Schnee, die Sonne strahlte und spiegelte sich im glitzernden Weiß. Fast wie im Märchen, dachte er und beobachtete zwei dick eingepackte Frauen, wie sie massenhaft Gepäck in ein schwarzes Mercedes T-Modell luden. Es schien bitterkalt zu sein, denn der Atem der Frauen bildete an der Luft winzige Eiskristalle. War es nun Sonntag oder Montag? Hoffentlich Sonntag, dachte er, dann kann ich muß ich nicht ins Büro sondern lege mich einfach wieder hin und kuschle ein bißchen mit der weichen Decke. “Seltsam, ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so weiche Decke besessen zu haben,” sagte Peter zu sich selbst und streichelte vorsichtig durch den kuscheligen Angoraflausch. Und warum trug er nur eine Jeans? Ganz langsam dämmerte ihm, daß er keineswegs Alpträume gehabt sondern alles real erlebt hatte. Die zwei Frauen vor dem Haus waren Petra und Kathrin, richtig? Richtig! In diesem Moment winkte Petra zu ihm herauf. Peter antwortete mit einem verwirrten Grinsen. “Endlich bist du aufgewacht,” hörte er Kathrin hinter sich sagen. “Es ist schon nach elf, du Schlafmütze.” “Verdammt, ich muß zur Arbeit,” fluchte Peter und warf die Angoradecke aufs Sofa. “Warum habt ihr mich nicht geweckt?” “Du warst nicht wach zu kriegen. Hast geschlafen wie ein Toter. Aber keine Angst, Petra hat bereits in deiner Firma angerufen und unser Horrorerlebnis geschildert. Dein Chef bot daraufhin von sich aus an, dir die restlichen Tage bis Weihnachten freizugeben. Du solltest dich trotzdem gelegentlich bei ihm melden. Was sagst du?” “Ich bin sprachlos. Danke.” “Bedanke dich bei Petra. Und nun komm in die Gänge. Die Berge erwarten uns.” “Gebt mir eine halbe Stunde, dann ...” “Fünf Minuten,” sagte Petra, die inzwischen in der Wohnung erschienen war. Sie schmiegte sich an Peters nackten Oberkörper und küßte ihn zärtlich. Ganz automatisch begann Peter wieder durch den himmlisch weichen, aber eiskalten Angoraflausch ihrer unglaublich dicken Angorajacke zu streicheln, doch Petra stieß ihn sanft zurück. “Dafür ist später noch genügend Zeit. Wir wollen los. Also ab unter die Dusche,” sagte sie und schob ihn in Richtung Badezimmer. “Aber ich muß noch packen,” erwiderte Peter. “Alles längst erledigt. Während du noch gepennt hast, waren wir schon unterwegs, haben Kathrins Wagen geholt, da paßt am meisten rein. Dann sind wir zuerst zu mir und dann zu ihr gefahren, um ein paar Klamotten zu holen. Anschließend packten wir deinen Kram und beluden das Auto.” “Fleißig, fleißig.” “Nicht war? Dafür darfst du uns in den Urlaub chauffieren.” “Einverstanden,” antwortete Peter, schnappte Petra an den dicken Kordeln ihrer gigantischen Angoramütze und gab ihr einen dicken Kuß. “Ich war auch fleißig,” maulte Kathrin mit einem Lächeln und bekam ebenfalls ein schmatzendes Küßchen auf ihre eisigen Lippen. Dann verschwand Peter im Badezimmer.
Die heiße Dusche wusch den letzten Rest Schlaf aus Peters Kopf. Auch gegen seinen Brummschädel wirkte sie wie Balsam. Als er sich wieder stark genug fühlte, um zumindest ein kleines Bäumchen auszureißen, stellte er den wohltuenden Wasserfall ab, rubbelte sich kräftig trocken, putzte sich die Zähne und rasierte sich so gründlich wie noch nie zuvor. Nur mit einem Handtuch bekleidet trat er ins Wohnzimmer. “Schau dir den an,” schmunzelte Kathrin. “Ich sehe nichts, er blendet so,” witzelte Petra. “Alberne Gänse.” “Gockel,” konterte Petra. “Ich habe dir was zum Anziehen auf dein Bett gelegt. Beeile dich bitte.” Vergnügt ging Peter in sein Schlafzimmer, doch dort gefror sein Lächeln. Auf dem ordentlich gemachten Bett lagen wohl einige Kleidungsstücke, aber mit Ausnahme einer verwaschenen Jeans, waren es nicht seine eigenen. Zögernd trat er etwas näher heran. Den blauen Angorapullover erkannte er wieder. Daneben lag nun aber noch ein zweiter, grau-weißer Rollkragenpulli mit Norwegermuster. Auch er war, wie konnte es auch anders sein, aus reiner Angorawolle und unbeschreiblich flauschig. Auf der Jeans lag ein weiteres, graues und sehr flaumiges aber undefinierbares Teil. Peter griff danach und hielt es in die Höhe, wobei es sich entfaltete. Mit allem hatte er gerechnet, aber nicht mit einer Angorastrumpfhose. Mit spitzen Fingern trug er die Strumpfhose ins Wohnzimmer und baute sich vor den beiden Frauen auf. “Also das geht zu weit,” meinte er und wedelte mit der flauschigen Strumpfhose. “Ihr erwartet doch nicht, daß ich dieses Ding anziehe?” “Natürlich,” antwortete Kathrin. “Draußen ist es wahnsinnig kalt. Ich habe auch eine Strumpfhose an, und Petra vermutlich sogar zwei.” “Drei,” korrigierte diese. “Und noch eine Angorahose drüber. Was stört dich an einer warmen Strumpfhose?” “Ich werde doch keine Strumpfhose anziehen. Alles was recht ist,aber ...” “Sagte ich es nicht,” meinte Petra zu Kathrin. Dann wandte sie sich wieder zu Peter. “Selbst mein kleiner Neffe ist vernüftiger als du und zieht im Winter eine Strumpfhose an, ohne daß man ihn dazu zwingen müßte.” “Ich bin aber nicht dein kleiner Neffe, sondern ein erwachsener Mann.” “Um so schlimmer. Nun stell dich nicht so an. Einmal davon abgesehen, daß keiner die Strumpfhose unter deiner Jeans bemerken wird, finde ich lange Unterhosen, womöglich noch aus Feinripp, absolut unerotisch. Wenn du es mit mir nicht verderben willst, dann zieh dir die Strumpfhose an und mach dich reisefertig.” Wie ein begossener Pudel schlich Peter zurück ins Schlafzimmer. Hin und her gerissen hielt er die zugegeben traumhaft weiche Angorastrumpfhose gegen das Sonnenlicht und starrte fasziniert auf den dichten Flausch, der das Kleidungsstück wie ein Strahlenkranz umgab. Die Unregelmäßigkeit der Maschen deutete darauf hin, daß Petra die Strumpfhose selbst gestrickt hatte. Schließlich rang er sich dazu durch, wenigstens einmal kurz hinein zu schlüpfen. Er holte tief Luft, hielt den Atem an, biß die Zähne zusammen, als würde er sich auf einen Haufen glühender Kohlen stellen, und steckte vorsichtig seinen linken Fuß in die Strumpfhose. Das Gefühl war überwältigend. Weich, flauschig, kuschelig, alle diese Attribute konnten das herrliche Gefühl nur mangelhaft beschreiben. Langsam und mit weit mehr Genuß streifte er die Strumpfhose nun auch über den anderen Fuß und zog das flaumige Kleidungsstück dann nach oben. Sein kleiner Freund schien so begeistert zu sein, daß er sich in seiner vollen Pracht darstellte. Peter verpackte ihn sorgfältig in den flauschigen Maschen und zog die Strumpfhose schließlich bis zum Bauchnabel hoch. Zum Glück war in diesem Moment kein Spiegel in der Nähe, denn vermutlich hätte Peter sein eigenes Abbild ausgelacht und die Strumpfhose sogleich wieder ausgezogen. Der Rausch der Sinne setzte sich fort, als er nach dem blauen Angorapullover griff und genüßlich hinein schlüpfte. Nun war er vom Kinn an abwärts in streichelweiches Angora eingekuschelte und fragte sich, wer eigentlich die Regel aufgestellt hatte, die Männern das Tragen von Angorawolle nicht gestattete. Fast ein wenig ärgerlich schlüpfte er in den nicht minder kuscheligen Norwegerpulli und ordnete den gigantischen Rollkragen. Als er endlich nach seiner Jeans griff, kam es ihm so vermutlich doch zu lächerlich aussehen, wenn er nur in Strumpfhosen bekleidet unter Leute ginge. Zum Abschluß zog er seine derben Boots an, so vorsichtig wie möglich, um den zarten Flausch nicht zu beschädigen.
Nach einem erneuten Zögern präsentierte er sich den beiden Frauen, die bereits ungeduldig auf ihn warteten. “Na, zufrieden?” Petra antwortete nicht, ging stattdessen vor ihm in die Knie, schob sein Hosenbein nach oben und nickte. “Ich wollte mich nur vergewissern, daß du die Strumpfhose auch wirklich angezogen hast. Und, ist es nun wirklich so schlimm, oder kannst du damit leben?” “Fahren wir,” sagte Peter, um nicht antworten zu müssen. Noch immer war es ihm peinlich, daß er sich in Angorastricksachen äußerst wohl zu fühlen schien.
Ungläubig starrte Peter auf den schwarzen Mercedes. Der Kombi war bis unter das Dach mit Pelzen und Angorastricksachen beladen, nicht nur der Kofferraum, sondern auch die komplette Rückbank. Selbst auf dem Vordersitz lag ein riesiger, weißer Pelzmantel. “Wollt ihr, daß ich euch aufs Dach schnalle?” witzelte Peter. “Och, das geht schon,” erwiderte Kathrin und quetschte sich auf den Rücksitz. Sie hatte größte Mühe, wenigstens freie Sicht nach vorne zu bekommen und mußte selbst lachen. “Angoraflausch, die neue Alternative zum Airbag,” scherzte sie und fischte ein paar Fusseln aus dem Mundwinkel. Schmunzelnd nahm Petra auf dem Beifahrersitz Platz und legte den Pelzmantel auf den Schoß. “Worauf wartest du,” fragte sie Peter. “Ähm ...” Peter fehlten die Worte. Er setzte sich hinter das Steuer, schaute sich seine beiden kichernden Begleiterinnen noch einmal genau an, schüttelte den Kopf und brauste ab.
Außer den drei Freunden war offenbar die halbe Republik auf dem Weg in den Winterurlaub. Zeitweise kamen sie sich vor wie auf einem riesigen Parkplatz. Es fehlte eigentlich nur noch der Parkwächter, der durch die Fahrzeugreihen ging und Gebühren kassierte. Das schleppende Vorankommen war lästig, aber was Peter weit mehr auf die Nerven ging, waren die Leute in den Autos um sie herum. Die Palette der Reaktionen reichte von bewunderndem Staunen über verächtliches Grinsen bis hin zu herzhaftem Lachen. Beim Anblich des “pelzgefütterten” Mercedes wurde die Beifahrerin eines aufgemotzten Polos dazu angeregt, mit ihrem lächerlich kleinen Mohairschal zu schmusen. Etwas später schlug eine ältere Frau in einem Jaguar unbewußt den Kragen ihres Zobelmantels hoch. Und ein kleines Mädchen auf dem Rücksitz eines Passats kuschelte sich in ihren Teddy. Äußerlich schien Peter ganz gelassen zu sein. Innerlich aber kämpften Scham und Wohlbehagen einen endlosen Kampf. Doch je länger dieser Kampf dauerte, desto mehr gewannen Wohlgefühl und Stolz über sein kuscheliges Outfit die Oberhand. Als der Mercedes im Schrittempo die Landesgrenze zum Freistaat Bayern überquerte, saß Peter endlich aufrecht und selbstbewußt hinter dem Steuer und ließ sich sogar dazu hinreißen, allzu hämische Grimassen mit einem demonstrativen Streicheln über den weichen Flausch seines Pulloverärmels zu beantworten.
Sechs Stunden später und knapp 250 Kilometer von Zuhause entfernt, es war bereits Nacht geworden, rollte der schwarze Mercedes eine tief verschneite Straße bergauf. Dank Ketten, die Peter im Tal vorsichtshalber aufgezogen hatten, kamen sie mühelos voran, bei weitem besser und schneller, als auf der verstopften Autobahn. Die Straße war nur durch lange Stangen, die den Fahrbahnrand markierten, zu erkennen. Reifenspuren anderer Fahrzeuge gab es keine. “Das ist wohl die Straße nach Nirgendwo,” meinte Peter, als er den Wagen in ein Waldstück lenkte. “Das sagte mein Vater auch, als wir zum ersten Mal hier herauf fuhren,” antwortete Petra. “Damals lag allerdings kein Schnee, sondern es tobte ein mächtiges Gewitter. Das war gruselig, kann ich dir sagen.” “Ist es noch weit?” “Nein. Nach der nächsten Biegung kommt eine weitläufige Lichtung, auf der das Haus steht.” Wie Petra beschrieben hatte, tat sich nach einer scharfen Kurve eine freie, tief verschneite Fläche auf. Ein Haus war jedoch weit und breit nicht zu entdecken. “Hier geht’s rein,” sagte Petra plötzlich und deutete auf den Straßenrand. “Wo?” fragte Peter und stoppte den Wagen. Er konnte beim besten Willen keine Abzweigung entdecken. Nur eine kleine Tanne ragte aus der glatten, weißen Fläche. “Hier, rechts von der Tanne.” “Bist du sicher?” Der Gedanke, den teuren Mercedes einfach in das weiße Nichts zu lenken, verursachte ihm Unbehagen. “Vertrau mir. Nur zu, halte dich einfach immer rechts von den kleinen Tannen. Sie markieren den Weg.” “Wenn du es sagst.” Peter gab vorsichtig Gas und steuerte den Wagen in die unberührte Schneefläche. Wider Erwarten kippte der Mercedes nicht zur Seite sondern kämpfte sich durch den tiefen Schnee. Bald tauchte im Scheinwerferlicht ein rustikales Hexenhäuschen, ganz aus dunklem Holz mit grünen Fensterläden, auf. “Der Wahnsinn!”, rief Peter und brachte das Auto vor der zugescheiten Haustüre zum Stehen. “Nicht wahr? Ich bin total verliebt in dieses Haus. Am liebsten würde ich immer hier leben. Ganz besonders nach dem schrecklichen Tag gestern. Kathrin, wir sind da.” Keine Antwort. Fast gleichzeitig drehten sich die beiden nach ihrer Freundin um. Sie war verschwunden. Hatten sie Kathrin etwa bei ihrer kurzen Pinkelpause auf dem Autobahnparkplatz vergessen. “Kathrin!” rief Petra und begann in den Massen aus Pelz und Angora zu wühlen. Endlich bekam sie eine Hand zu fassen. “Iswas?” brummelte es unter einer Pelzjacke hervor. Kurz darauf tauchte eine verschlafen dreinschauende Kathrin auf. Sie war irgendwann eingenickt und in den kuschelweichen Fluten versunken. “Aussteigen, Schlafmütze. Wir sind da.”
Petra schloß die Haustüre auf und ließ ihre beiden Freunde eintreten. Sie gingen durch einen gräumigen, holzvertäfelten Windfang in die “Stube”, wie Petra den Raum nannte. Es war dunkel und es roch ein wenig staubig. Petra machte ein Streichholz an und entzündete ein paar Kerzen, die neben der Türe bereit standen. Das flackernden Flammen tauchten die “Stube” in ein warmes, romantisches Licht. “Stube”, das war die Untertreibung des Jahrhunderts. “Saal” wäre treffender gewesen. Der Raum hatte eine Grundfläche von gut und gerne 15 x 15 Metern. Petra entzündete weitere Kerzen eines Leuchters, der auf einem urigen Tisch stand. Die schemenhafte Einrichtung bekam nun klare Konturen. Der Raum war eine gekonnte Mischung aus kanadischem Blockhaus und englischem Rauchsalon. Um einen offenen Kamin aus mächtigen Granitbrocken gruppierten sich vier schwere Sessel, über die jeweils eine einladend kuschelig aussehende Fuchspelzdecken geworfen war. Davor, auf dem rustikalen Holzboden lagen zahlreiche Lammfelle. Zwei weitere Sessel standen vor einem massiven Bücherregal, das mit zahlreichen, ledergebundenen und vermutlich sehr wertvollen Büchern bestückt war. Die Wände rechts und links des Kamins waren ebenfalls aus Stein und mit antiken Waffen geschmückt. Auf der gegenüberliegenden Seite neben der Türe stand eine rustikale Eßgruppe mit massivem Eichentisch, Eckbank und fünf Stühlen. Auch hier war der Fußboden mit Lammfellen ausgelegt. Petra führte ihre Freunde durch eine Schwingtüre, ähnlich der eines Westernsalons, in eine kleine Küche mit einem altertümlichenHolzofen. Elektrische Geräte suchte man hier vergebens. Petra zündete erneut eine der Kerzen an, die überall herumstanden. “Ihr habe sicher schon bemerkt, daß es hier keinen Strom gibt,” erklärte Petra. “Wir haben zwar einen Dieselgenerator und eine Menge Batterien, aber ich finde Kerzenlicht, Kochen auf dem Holzofen und ein Feuer im Kamin statt Heizung sowieso romantischer. Den Generator hatten wir schon lange nicht mehr in Betrieb, wahrscheinlich ist er längst eingerostet.” “Soll das heißen, hier gibt es keine Heizung?” fragte Kathrin und kuschelte sich demonstrativ in ihren Pelzmantel. “Was glaubst du, warum wir so viele warme Sachen eingepackt haben. Besonders morgens nachdem Aufstehen ist es eiskalt im Haus. Aber man gewöhnt sich daran. Ach ja, fließendes Wasser gibt es übrigens auch nicht. Im Keller befindet sich eine Zisterne, die mit Quellwasser gespeist wird. Allerdings friert diese im Winter regelmäßig ein. Wir werden Schnee schmelzen müssen.” “Aber, äh, ... wie macht ihr das mit dem ... äh ... Klo, ich meine stillen Örtchen?” stotterte Peter. “Bis vor wenigen Jahren hatten wir das “Örtchen” noch außerhalb des Hauses, aber das war uns dann doch lästig, vor allem im Winter. Daraufhin bauten wir eine Abwasserleitung und eine Sickergrube an der Straße. Seither wird jeder Tropfen Spül- und Badewasser in Eimern gesammelt und für die Toilettenspülung verwendet. Wer auf dem Klo war, muß danach den Spülkasten wieder mit Wasser füllen. Ich hoffe, es leidet keiner von euch unter einer schwachen Blase, denn sonst artet das in Arbeit aus,” scherzte Petra. “Jetzt zeige ich Euch die Schlafzimmer.” Sie ging voraus eine steile, knarrende Treppe hinauf in das Dachgeschoß des Hauses. Sie erklärte, daß dies einmal der Heuboden gewesen war, der nun ausgebaut und in vier schmucke Zimmer umgewandelt war. Darüber hinaus gab es ein Badezimmer und ein separiertes WC. “Neben LISTRONIC betreibt ihr wohl auch noch eine Schafzucht und Pelzhandel,” meinte Peter in Anbetracht der vielen Pelzdecken und Felle, mit denen auch diese Zimmer großzügig ausgestattet waren. “Nein, das nicht, aber die Leidenschaft für alles weiche und flauschige liegt wohl in meiner Familie. Gefällt es dir nicht?” “Oh doch, ich werde mich hier sogar ausgesprochen wohl fühlen, das weiß ich jetzt schon,” sagte Peter und sah, wie Kathrin heftig nickte. “Na wunderbar. Ich freue mich auf ein paar schöne Urlaubstage. Laßt uns jetzt das Gepäck reinbringen.” Mit vereinten Kräften entluden sie den Mercedes und schafften das Gepäck hinauf in die Schlafzimmer. Peter war sichtlich enttäuscht, als Petra ihm ein Zimmer neben dem ihren zuwies, war er doch davon ausgegangen, daß sie sich ein Bett teilen würden. Traurig stellte er seine beiden Koffer, die ihm im Vergleich zum Gepäck der beiden Frauen wie Handgepäck vorkamen, neben dem Doppelbett, in dem er sich ziemlich einsam vorkommen würde, ab. “Wie wäre es, wenn du schon mal Feuer im Kamin machst?” meinte Petra, die sich von hinten an Peter herangeschlichen und seine Hüfte umschlungen hatte. “Kathrin und ich wollen uns etwas frisch machen.” “In Ordnung.” Peter hatte keinerlei Erfahrungen im Feuermachen. Als kleiner Junge hatte er einmal ein Lagerfeuer entzündet, was ein paar Tage später sogar im lokalen Wochenblättchen seines Heimatdorfes erwähnt wurde. Allerdings wurde darin hauptsächlich von den Löscharbeiten auf der Wiese und den Schäden an mehreren Obstbäumen berichtet. Sein Hosenboden tat ihm heute noch weh, wenn er an die schlagkräftige Unterhaltung mit seinem Vater dachte. Entsprechend vorsichtig setzte er Zeitungspapier und ein paar kleine Holzspäne in Brand. Es war ein kümmerliches Feuerchen, aber immer noch besser, als die ganze Hütte abzufackeln. Nach kaum fünf Minuten war von dem Feuer nur noch ein Rest Glut übrig. Also legte er erneutZeitungspapier in den Kamin, wartete bis es Feuer gefangen hatte und setzte dann ganz mutig ein paar schwere Holzscheite darauf. In kurzer Zeit hatte er nun ein prächtiges Feuer in Gang gebracht. Es prasselte, knisterte und knallte im Kamin. Stolz betrachtete er die lodernden Flammen. Doch dann wich die Freude einem ungläubigen Staunen. Nach einem lauten Knall schossen einige erbsengroße Glutbrocken durch den Raum und verteilten sich gleichmäßig über den Holzboden. “Scheiße, was soll denn das,” schimpfte Peter und kickte die glühenden Kohlestückchen zurück in den Kamin. Doch schon gab es weitere Miniexplosionen. Peter hatte alle Hände und Füße voll zu tun, um einen weiteren Zeitungsbericht über ein Großfeuer in den bayerischen Alpen zu vermeiden. Endlich entdeckte er ein Schutzgitter, das er eiligst vor der Kaminöffnung aufstellte. Hastig beseitigte er die Spuren seiner versuchten Brandstiftung, gerade noch rechtzeitig, bevor Petra und Kathrin ins Zimmer kamen. “Na, alles klar?” fragte Petra. “Sicher, alles im Griff,” schwindelte er und stellte seinen Fuß auf ein Kohlestückchen, das er übersehen hatte. Beim Anblich der beiden Frauen hätte er vermutlich einen ganzen Kohlenmeiler übersehen. Petra trug einen rosefarbenen Maxipullover mit weißem Norwegermuster und einem Rollkragen aus dem man lässig einen weiteren Pullover hätte stricken können. Der Pulli war, wie konnte es auch anders sein, aus unbeschreiblich flauschiger, reiner Angorawolle. Ihre Beine steckten in leuchtendweißen Angorastrumpfhosen und über die Füße hatte sie rosa Hüttenschuhe aus, wer hätte das gedacht, Angora gestreift. Die blonde Lockenmähne wurde durch ein breites, weißes Angoraband gebändigt. Inzwischen kannte er Petra gut genug, um zu wissen, daß sich unter dieser kuscheligen Verpackung weitere Schichten Angora verbargen. Auch Kathrin bot einen Anblick, der jeden noch so überzeugten Lederfetischisten zum dahinschmelzen gebracht hätte. Sie war in etwas gekleidet, das im weitesten Sinne an einen Jogginganzug erinnerte. Er war aus reinem, faszinierend flauschigem Mohair. Durch den dichten Flausch schienen die unzähligen Quadrate in weiß und verschiedenen Blautönen ineinander überzufließen. Das Oberteil besaß zwei Eingrifftaschen und eine volumiöse Kapuze. Am Halsauschnitte kam der Rollkragen des darunter getragenen, weißen Angorapullis zum Vorschein. Auch Kathrin trug ihre Haare mit einem passenden Mohairband. Und ihre Füße steckten in weißen Lammfellpantoffeln. Mit besorgtem Blick trat Petra auf ihn zu. “Ist dir nicht gut? Du schwitzt ja,” sagte sie und strich eine Schweißperle von seiner Stirn. “Das ist nur das Feuer,” antwortete der und hatte dabei nicht einmal gelogen. Allerdings war es das innerliche Feuer, das ihm mächtig einheizte.
Petra holte einen großen Kupferkessel vom Kaminsims und hängte ihn an einen schwenkbaren Arm, der über dem Feuer angebracht war. Kathrin war indessen in die Küche gegangen und mit zwei großen Dosen Linseneintopf, einem Glas Würstchen, Tellern und Besteck zurückgekehrt. Peter wurde damit beauftragt die Dosen zu öffnen und den Inhalt in den Kessel zu schütten. “Schade, daß wir kein Brot haben,” sagte Petra und schwenkte den Topf über das Feuer. “Morgen werden wir ins Tal fahren und mit Lebensmitteln eindecken.”
Es war ein Abendessen, das man sich nicht romatischer hätte vorstellen können. Petra hatte mehrere Pelzdecken auf den Lammfellen vor dem Kamin ausgebreitet. Die drei ließen sich darauf nieder, saßen eng beieinander und löffelten köstlichen Linseneintopf. Jedes Mal, wenn Petra den Löffel zum Mund führte, tauchte ihr Kinn tief in den üppigen Flausch ihres Riesenkragens ein und ließ sich von ihm streicheln. Seltsam, Peter wünschte sich plötzlich, nach seinem Ableben als rosa Angorapulli mit weißem Norwegermuster und Rollkragen wiedergeboren zu werden. Was für eine Vorstellung, dachte er. Er könnte den Körper seiner Freundin unablässig streicheln, mit weichem Flaum umschmeicheln und mit Wärme umgeben. Dafür würde er sogar in Kauf nehmen, viele einsame Tage in Petras dunklem Kleiderschrank zu verbringen, während sie sich mit einem der zahllosen “Nebenbuhlern” vergnügte.
Nach dem Essen legte Peter ein paar neue Holzscheite in Feuer und ließ sich wieder auf die Pelzdecken nieder. Petra kuschelte sich an Ihn und legte ihren Kopf auf seine weiche Brust. Als Peter den wehmütigen Blick in Kathrins Augen entdeckte, legte er seinen rechten Arm um ihre Schulten und zog sie zu sich heran. Kathrin lächelte dankbar und belohnte Peter, in dem sie begann, seinen Bauch sanft zu streicheln. Es begann ein Kuscheln und Schmusen, Streicheln und Liebkosen, das bis tief in die Nacht anhielt und nur durch regelmäßiges Holznachlegen unterbrochen wurde. Irgendwann hatte Peter plötzlich keine Hose mehr an. Im Flauschrausch hatte er den Verlust der Jeans nicht einmal bemerkt. Aber es kümmerte ihn nicht weiter, daß er, als gestandener Mann, nur eine flaumige Angorastrumpfhose trug. Im Gegenteil, sein kleiner Freund hatte nun mehr Platz, um sich zu entfalten. Peter genoß die Kuschelorgie in vollen Zügen.
Die Streichelbewegungen wurden langsamer, das entspannte Schnurren der Frauen leiser. Fast gleichzeitig versanken Petra und Kathrin glücklich lächelnd im Reich der Träume. Mit einem Schmunzeln angelte Peter nach einer weiteren Pelzdecke, breitete sie über sich und die beiden Mädels aus, legte sich lang und ließ dem Sandmännchen freien Lauf.
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